Die Ölpreise und Zinsen steigen, aber die US-Aktienmärkte vertrauen weiterhin auf TACO
Der Ölpreis überschreitet die Marke von 100 US-Dollar, die Fed erhöht die Zinsen, und der Pulverdampf in der Straße von Hormus hat sich noch nicht verzogen – die sogenannte "TACO-Transaktion", auf die die Wall Street wettet, im Vertrauen darauf, dass Trump früher oder später nachgeben wird, steht nun an einem gefährlichen Wendepunkt. Die überraschende Widerstandsfähigkeit der US-Aktienmärkte schwächt stattdessen Trumps Motivation zur Einigung; die Rendite am Anleihemarkt nähert sich der Warnmarke von 4,946 %, was das eigentliche Druckventil darstellt. Hinter den Kulissen sollen die Verhandlungen zwar weiterlaufen, doch bleibt abzuwarten, ob der Markt diesmal genug Geduld hat, Trumps Kurswende noch zu erleben.
Der Ölpreis hat die Marke von 100 Dollar überschritten und die Federal Reserve hat mit Zinserhöhungen begonnen, doch die Wall Street setzt weiterhin darauf, dass Trump erneut nachgibt. Diese als "TACO" bekannte Handelsstrategie steht vor ihrer bislang härtesten Bewährungsprobe.
Der Konflikt zwischen den USA und Iran dauert inzwischen fast sieben Monate an, die Lage in der Straße von Hormus und im Roten Meer heizt sich weiter auf, der Preis für West Texas Intermediate Rohöl bewegt sich bei über 100 Dollar pro Barrel, die Federal Reserve hat zum ersten Mal seit drei Jahren die Zinsen erhöht und die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen nähern sich der entscheidenden Marke von 4,946 %.
Wie die Deutsche Nachrichtenagentur berichtet, meldeten mehrere US-Medien am 17., dass die US-Regierung trotz des anhaltenden Kriegszustands mit Iran iranischen Führungskräften die Teilnahme an der hochrangigen Sitzung der UN-Vollversammlung nächste Woche in New York gestattet hat. Trump erklärte am Mittwoch, er hoffe, der Krieg sei "fast vorbei", und sagte, er habe "direkten" Kontakt mit Iran; diese Äußerung ließ den Ölpreis kurzfristig fallen. Die eigentliche Frage am Markt bleibt jedoch: Was geschieht, wenn Trump diesmal nicht nachgibt und die TACO-Strategie scheitert?
Andrew Bishop, Forschungsleiter beim geopolitischen Beratungsunternehmen Signum Global, erklärte, der "Hormus-TACO-Index" seiner Firma, der Signale zur Deeskalation der Lage zwischen USA und Iran verfolgt, warne aktuell weiter, aber es könnten bereits geheime Gespräche stattfinden. Kathleen Brooks, Forschungsleiterin bei XTB, betonte,sobald ein Abkommen zwischen USA und Iran geschlossen werde, könnten die Ölpreise rasch zurücklaufen, die Anleihemärkte reagieren mit steigenden Kursen und sinkenden Renditen – was für die Aktienmärkte eine wichtige Unterstützung darstelle.
TACO-Strategie: Vom Scherz zum Markttrend
"TACO" steht für "Trump Always Chickens Out" (Trump zieht immer zurück) und wurde ursprünglich von einem Kolumnisten der britischen Financial Times als ironische Erfindung vorgestellt; mittlerweile ist daraus in der Wall Street eine bedeutende Handelskraft geworden.
Der Ursprung dieser Strategie liegt in Trumps ausgeprägter Sensibilität gegenüber der Entwicklung der Finanzmärkte. Trump sieht die Börsenentwicklung stets als Indikator für den Erfolg seiner Regierung und am Markt gilt die Ansicht, dass er besonders Rücksicht auf Turbulenzen nimmt, die die Aussichten der Republikaner bei den Zwischenwahlen gefährden könnten.
Der markante TACO-Moment fand am 9. April 2025 statt – Trump stoppte die Strafzölle auf die meisten Handelspartner für 90 Tage und beendete so eine Verkaufswelle, die die wichtigsten Börsenindizes an den Rand eines Bärenmarktes gebracht hatte. Seitdem neigen Anleger dazu, bei belastenden Marktphasen zu kaufen und darauf zu wetten, dass Trump erneut nachgeben wird.
Signum Global entwickelte dazu ein mathematisches Modell, mit dem die vermutlich bevorstehende politische Wende von Trump prognostiziert werden soll. Im Juli dieses Jahres gelang dem Modell eine erfolgreiche Vorhersage eines Entspannungssignals – Washington und Teheran ließen kurz voneinander ab, Delegationen beider Seiten reisten zu indirekten Gesprächen nach Katar. Doch Streitigkeiten um alternative Schifffahrtsrouten und angebliche Umgehungsmanöver der USA führten anschließend erneut zur Eskalation.
Börsenresilienz schwächt Trumps Rückzugsdruck
Das Kernprinzip der TACO-Strategie ist, dass fallende Aktienkurse Trump dazu zwingen, eine Lösung zu suchen. Doch aktuell verliert dieser Mechanismus an Wirksamkeit.
Nach der Zinserhöhung der Federal Reserve verbuchten US-Aktien am Mittwoch die schlechteste Tagesperformance seit drei Monaten, doch die Märkte stabilisierten sich rasch wieder. Der Dow Jones verlor im laufenden Monat 2,6 %, aber beim S&P 500 und dem Nasdaq-Index waren die Rückgänge mit 0,6 % bzw. 0,1 % deutlich geringer.
Das stellt ein paradoxes Problem dar: Gerade weil die Börsen nicht stark gefallen sind, ist der Druck auf Trump, Friedensgespräche einzuleiten, geringer. Laut MarketWatch befürchten einige Marktteilnehmer, dass die relative Widerstandsfähigkeit der Märkte Trump dazu verleiten könnte, im Iran-Konflikt noch härter aufzutreten.
Brooks erklärt, Trader geben ihre Wette auf eine erneute Trump-Kapitulation zunehmend auf. "Mit der anhaltenden Eskalation von Zwischenfällen in der Straße von Hormus und im Roten Meer schwindet die Erwartung, dass TACO erneut greift."
Der Anleihemarkt ist das wahre Ventil
Während die Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte anhält, wird der Anleihemarkt zum entscheidenden Indikator für Trumps Kurswende.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist auf 4,946 % gestiegen und nähert sich der allgemein als Triggerpunkt für Aktienkorrekturen angesehenen Schwelle. Bishop betont, dass Anleiherenditen auf diesem Niveau historisch gesehen oft zu Kurskorrekturen am Aktienmarkt führen.
Die Folgen steigender Renditen gehen weit über die Börsen hinaus. Höhere Zinsen verteuern die staatliche Kreditaufnahme direkt und treiben die Hypotheken-, Autokredit- und Kreditkartenzinsen für US-Haushalte in die Höhe, wodurch Trumps Agenda für "Erschwinglichkeit" in seiner zweiten Amtszeit immer schwerer umzusetzen ist.
Gleichzeitig zahlen US-Verbraucher derzeit durchschnittlich 4,40 Dollar pro Gallone Benzin. Hohe Ölpreise sind ein traditionell politisches Problem für die Regierungspartei bei Wahlen – der Druck auf die Republikaner vor den Zwischenwahlen wächst.
Verhandlungen könnten im Hintergrund laufen
Obwohl die Marktrichtung aktuell pessimistischer wird, glaubt Signum Global, dass der Entspannungsprozess vielleicht bereits im Verborgenen begonnen hat.
Andrew Bishop sagte zu MarketWatch: "Man vergisst leicht, dass der genaue Beginn jeder Deeskalationsphase erst klar wurde, nachdem private Gespräche öffentlich geworden waren." Er fügte hinzu, dass das ursprünglich für Montag in Oman geplante Treffen zwischen Golfstaaten und Iran zwar verschoben wurde, die Verhandlungen aber nach seinen Informationen fortgesetzt werden und "Fortschritte machen".
Trump erklärte am Mittwochabend gegenüber Journalisten: "Ich hoffe, wir sind nahe am Ende des Krieges. Sie wollen eine Einigung, wir werden sehen." Er bestätigte auch "direkte" Kontakte zu Teheran, ohne Details zu nennen. Zusammen mit der Nachricht, dass Saudi-Arabien die Produktion der nach einem Angriff durch Houthi-Milizen unterbrochenen grenzüberschreitenden Pipeline zur Hälfte wieder aufnehmen will, führte dies am Donnerstag zu fallenden Ölpreisen.
Für Anleger liegt das Kernproblem der aktuellen Situation darin,dass der für die TACO-Strategie nötige Marktdruck noch nicht ausreichend vorhanden ist, während geopolitische Risiken weiter zunehmen. Dieses Mal könnte die Geduld der Wall Street schwerer belohnt werden als je zuvor.
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