Die US-Finanzministerin Bensent setzt alle verfügbaren Instrumente ein, um den anhaltenden Anstieg der langfristigen US-Staatsanleiherenditen zu bremsen – doch an der Wall Street ist man uneinig, ob dies tatsächlich wirksam sein kann.
In der vergangenen Woche griff Bensent mehrfach ein: Sie leitete die erste Devisenintervention der USA seit fast dreißig Jahren zur Unterstützung des Yen, passte die Formulierungen in der Quartalsmitteilung zur Refinanzierung diskret an, um eine mögliche Verringerung des Angebots langfristiger Anleihen anzudeuten, und sprach sich öffentlich für Fed-Vorsitzenden Walsh aus. Laut Bloomberg deuteten Händler und Strategen an der Wall Street diese Maßnahmen mehrheitlich als das Signal, dass Bensent aktiv versucht, den Anstieg der langfristigen Zinsen einzudämmen.
Der Hintergrund dieser Maßnahmen: Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen liegt mittlerweile bei etwa 4,65 %, höher als zu Beginn der zweiten Amtszeit von Trump und nahe dem höchsten Stand seit 19 Jahren. Das andauernde Wachstum der langfristigen Zinsen treibt die Finanzierungskosten für Hauskäufer bis hin zu Unternehmen in die Höhe – und ein jährliches Haushaltsdefizit von fast zwei Billionen Dollar, anhaltender Inflationsdruck und der durch den Iran-Krieg ausgelöste Ölpreisschock stellen strukturelle Belastungen dar, die Bensent nicht allein bewältigen kann.
Priya Misra, Portfoliomanagerin bei J.P. Morgan Asset Management, sagt: "Die Federal Reserve und das Finanzministerium sorgen sich mit Sicherheit um das Niveau der langfristigen Zinsen", und mit ihren Maßnahmen macht Bensent dem Markt klar: "Sie erkennen die Entwicklung am Zinsmarkt und zögern nicht, alle ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente einzusetzen."
Bensents erster Schritt war die Intervention am Devisenmarkt. Die USA kauften gemeinsam mit Japan Yen – das war die erste derartige Aktion der USA seit 1998.
Laut Bloomberg war dies offiziell eine Unterstützungsmaßnahme für den Verbündeten, doch dahinter steckt der Versuch, den Druck auf Japan, US-Anleihen zu verkaufen, abzumildern. Der schwächelnde Yen hatte Japan dazu veranlasst, US-Staatsanleihen zu verkaufen, um Dollar zu beschaffen und eigenständig am Devisenmarkt zu intervenieren.
Außerdem betonte Bensent, dass Japan künftig die Foreign and International Monetary Authorities Repo Facility (FIMA Repo Facility) der Fed nutzen kann, um Dollar zu leihen und so den direkten Verkauf von US-Anleihen zu vermeiden.
Peter Boockvar, Chief Investment Officer bei Onepoint Bfg, nahm dazu kein Blatt vor den Mund:
"Es ist offensichtlich, dass der US-Staatsanleihenmarkt inzwischen so fragil ist, dass wir ausländische Investoren dazu ermutigen, ihre Bestände nicht zu verkaufen."
Der zweite Schritt ist die Feinjustierung der Formulierungen in der Quartalsmitteilung zur Refinanzierung.
Artikel von Wallstreet News berichtet, dass das US-Finanzministerium am 5. August in seiner Quartalsmitteilung zur Refinanzierung die Formulierungen zur Auktion zinsbezogener Wertpapiere von "Potenzial für zukünftige Erhöhungen" auf "Potenzial für zukünftige Änderungen" geändert hat. Dieser kleine Unterschied löste sofort eine breite Marktdebatte aus.
Laut Bloomberg ergab eine Umfrage von BMO Capital Markets unter Kunden, dass nun 61 % der Befragten erwarten, dass die nächste Anpassung des Auktionvolumens für 30-jährige Staatsanleihen eine Reduzierung und keine Erhöhung sein wird.
Der dritte Schritt ist die öffentliche Unterstützung für Walsh.
Nach der Fed-Sitzung im vergangenen Monat löste Walshs unklare Darlegung eines Pfads zur Inflationssenkung Verkäufe am Anleihemarkt aus. Berichten zufolge sagte Bensent anschließend bei CNBC, der Markt müsse "entgiften" und äußerte ihr Vertrauen, dass die Fed "eine Balance zwischen Wachstumsauftrag und Inflationsauftrag finden wird".
Artikel von Wallstreet News berichtet, dass diese Anpassung im weltweit größten Anleihemarkt eine seltene Debatte ausgelöst hat.
Befürworter sehen darin ein klares Signal.
Gennadiy Goldberg, US Rate Strategy Head bei TD Securities, stellte nach Veröffentlichung der Quartalsmitteilung zur Refinanzierung fest: "Diese Anpassung deutet auf eine potenzielle Reduzierung des langfristigen Angebots in der Zukunft hin und hilft, die Marktstimmung für die langfristige Zinskurve zu stützen."
TD Securities erwartet, dass das Finanzministerium im Mai das Volumen der Auktionen für 20-jährige und 30-jährige Staatsanleihen verkleinert und gleichzeitig mehr Anleihen mit Laufzeiten zwischen 2 und 10 Jahren ausgibt.
Guneet Dhingra, US Rate Strategy Head bei BNP Paribas, sagt ebenfalls: "Logisch und aus analytischer Sicht hat eine Reduzierung durchaus ihre Berechtigung", und vertritt die Ansicht, dies sei "eine der wenigen Wege, die effektiv die Renditen senken könnten".
Doch es gibt auch erhebliche Zweifel.
Steven Zeng, Rates Strategist bei der Deutschen Bank, sagt, angesichts des immensen Finanzierungsbedarfs der US-Regierung sei eine Reduzierung des Auktionsvolumens "nicht seine Basiserwartung"; die Anpassung der Formulierungen durch das Finanzministerium sei vielmehr "eine bewusste Maßnahme, um negative Marktreaktionen auf größere zukünftige Auktionen abzufedern".
Michael Cloherty, US Rate Strategy Head bei CIBC Capital Markets, ist noch deutlicher: Eine Reduzierung zinsbezogener Anleihen bestimmter Laufzeiten "ist überhaupt nicht Teil der Diskussion", und er weist darauf hin, dass eine Umstellung von langfristiger Finanzierung auf kurzfristige Kreditaufnahme die kurzfristigen Zinsen steigen lassen würde, um mehr Käufer anzuziehen – dies sei ein grundlegend fehlerhafter Ansatz.
Die Geschichte zeigt, dass die Anpassung des Auktionsvolumens spürbare Auswirkungen auf die Markterwartungen hat. 2023 stiegen die 30-jährigen Renditen im Oktober zeitweise auf fast 5,18 %. Im November desselben Jahres verkleinerte das Finanzministerium unerwartet die Auktion der längsten Laufzeiten und löste eine deutliche Erholung der US-Anleihen aus – die Renditen der 30-jährigen Papiere fielen zum Jahresende auf etwas über 4 %.
Damals kritisierte Bensent selbst den Schritt der Biden-Regierung als politisch motiviert – und zwar direkt vor der Präsidentschaftswahl 2024. Jetzt steht sie vor der Entscheidung, das gleiche Vorgehen zu wiederholen, und auch die Interpretation ihrer Motivation lässt sich nicht vermeiden.
Dhingra warnt zudem, wenn das Finanzministerium schrittweise Signale setzt, könnte dies die Wirkung der Maßnahmen verwässern. "Indem man den Markt schrittweise auf die Reduzierung zinsbezogener Anleihen vorbereitet, verliert man den 'Schockeffekt' wie 2023."
Das grundsätzliche Problem für Bensent ist, dass die Kräfte, die den Anstieg der langfristigen Zinsen antreiben, weit über die Steuerungsmöglichkeiten des Finanzministeriums hinausgehen.
Bloomberg berichtet: Die Sparmaßnahmen der Trump-Regierung hatten nur geringe Wirkung, und die Steuererleichterungen werden in den nächsten zehn Jahren zu einer dramatischen Steigerung der Staatsverschuldung führen. Trump erneuerte letzte Woche die Drohung, Fed-Gouverneur Cook zu entlassen, was die Sorgen der Investoren um die Unabhängigkeit der Zentralbank verschärft. Der durch den Iran-Krieg ausgelöste Ölpreisschock sorgt für neuen Inflationsdruck. John Velis, US Macro strategist bei BNY, sagt:
"Angesichts der bereits ergriffenen fiskalischen Maßnahmen und der Auswirkungen des Krieges ist es sehr schwierig, den Druck am langen Ende zu mildern."
Der US-Staatsanleihenmarkt hat seine Größe seit 2018 mehr als verdoppelt und überschreitet die Marke von 31 Billionen Dollar. Ein jährliches Defizit von fast zwei Billionen Dollar bedeutet, dass das Angebot neuer Anleihen weiter wächst. Vor diesem Hintergrund fällt die Einschätzung von Phoebe White, Head of US Rate Strategy bei der UBS Group, sehr nüchtern aus:
Die tatsächlichen Auswirkungen der jüngsten Maßnahmen des Finanzministeriums könnten begrenzt sein, aber es zeigt: "Wenn das Finanzministerium irgendetwas tun kann, um den weiteren Anstieg der langfristigen Zinsen zu verhindern, wird es alle verfügbaren Instrumente einsetzen."
Analysten glauben, dass es letztlich darauf ankommt, ob Anleihebesitzer wirklich davon überzeugt werden können, zu niedrigeren Zinsen zu investieren; entscheidend ist, ob die Inflation tatsächlich auf das Fed-Ziel von 2 % sinkt – ein Ziel, das nun fünf Jahre in Folge überschritten wurde. Bensents Werkzeugkasten mag groß sein, aber angesichts der aktuellen strukturellen Belastungen wird seine marginale Wirkung zunehmend infrage gestellt.