Werden „kontinuierlich lernende“ KI den Speicherbedarf bis 2031 weiter steigern?
Citi ist der Ansicht, dass mit dem Übergang der KI von der reinen Trainings- und Inferenzphase in das Zeitalter des "kontinuierlichen Lernens" die Nachfrage nach HBM, Server-DDR5 und unternehmensweiten SSDs (eSSDs) ab 2027 explosionsartig ansteigen wird. Während die Nachfrage rapide wächst, bleibt das Angebot aufgrund der Auslastung der HBM-Produktionskapazitäten und der Verlangsamung technologischer Umstellungen deutlich hinter der Nachfrage zurück. Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage dürfte daher bis mindestens 2031 andauern.
Die strukturelle Verbesserung der KI-Gedächtnisfähigkeiten treibt den globalen Speicher-Markt in einen mehrjährigen Zyklus anhaltender Angebotsknappheit.
Nach Informationen von Windhandel berichtet Citibank am 14. September, dass mit dem Übergang von KI von reiner Trainings- und Inferenzphase in das "Continual Learning"-Zeitalter die Nachfrage nach HBM, Server-DDR5 und unternehmensweiten Solid-State-Drives (eSSD) ab 2027 explosionsartig ansteigen wird. Citibank erwartet, dass das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage bei DRAM (S/D ratio) in den Jahren 2027 und 2028 jeweils auf -8,7 % bzw. -9,7 % sinken wird; das Verhältnis bei NAND fällt im gleichen Zeitraum auf -6,1 % bzw. -5,5 %. Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage dürfte bis 2031 anhalten.
Während die Nachfrage rasant wächst, ist das Angebot durch die HBM-Kapazitätsauslastung und die verlangsammte technologische Migration limitiert, sodass die Expansion des Angebots deutlich hinter der Nachfrage zurückfällt. Citibank schätzt daher, dass die globalen Speicher-Investitionen 2027 um 46,5 % auf 80,4 Milliarden US-Dollar steigen werden, jedoch aufgrund langer Bauzeiten bei der Kapazitätserweiterung selbst große Investitionen die Angebotslücke nicht schließen können.
Continual Learning: Das neue Paradigma des Speicherbedarfs für KI
Die Forschungsabteilung von Citibank stellt fest, dass "Continual Learning" in den kommenden fünf Jahren das zentrale Thema im Bereich KI sein wird. Anders als aktuelle KI-Modelle, deren Parameter nach dem Training festgelegt werden, erlaubt Continual Learning das fortlaufende Lernen neuer Informationen während des Betriebs und den Erhalt vorher gelernter Inhalte.

Die Haupt-Herausforderung dieses Ansatzes liegt im Ausgleich zwischen dem Erlernen neuer Informationen und der Vermeidung von "katastrophalem Vergessen". Dafür müssen KI-Systeme kontinuierlich Modelle aktualisieren und gleichzeitig einen effizienten Zugang zu historischen Daten gewährleisten – beide Anforderungen erhöhen die Speicheranforderungen erheblich.
Historisch gesehen lag der Fokus von KI-Workloads von 2022 bis zur ersten Hälfte 2025 auf Trainingszyklen, wobei die HBM-Nachfrage stark war, während traditionelle DRAM- und NAND-Nachfrage vergleichsweise stabil blieb. Ab der zweiten Hälfte 2025 führen steigende Inferenzkomplexität zu einer raschen Nachfrage nach Server-DDR5 und eSSD, während die Aufmerksamkeit für HBM abnimmt.
Citibank erwartet, dass ab 2027 die erste Phase des Continual Learning beginnt, wobei die Nachfrage nach HBM, Server-DRAM, SoCAMM2 und eSSD simultan expandiert; in der zweiten Hälfte von 2028 wird die Nachfrage durch den Aufstieg von Personal AI und Physical AI erweitert und umfasst dann auch Speicher für Edge-Geräte.
Bemerkenswert ist, dass das monatliche Nutzungsvolumen von AI Token fast perfekt exponentiell wächst, mit einer monatlichen Wachstumsrate von 31 % und einem Jahreswachstum von 2434 % im August 2026, was eine starke Grundlage für die anhaltend hohe Speicher-Nachfrage bildet.

HBM: Despezifizierung ist Folge von Angebotsbeschränkung und nicht Nachfrageschwäche
Citibank liefert eine klare Interpretation des jüngst diskutierten HBM-"Despezifizierungs"-Phänomens: Es handelt sich dabei um eine Effizienzmaßnahme der KI-Chip-Hersteller unter begrenztem HBM-Angebot – und nicht um ein Signal schwacher Endnachfrage.
Citibank schätzt, dass die Nachfrage nach HBM-Bits bis 2027 um 62 % auf 75,157 Milliarden Gb steigen und bis 2028 nochmals um 69 % auf 126,990 Milliarden Gb zulegen wird – doppelt so hoch wie frühere Prognosen. Der Nachfragetreiber sind nicht nur Nvidia, sondern auch Broadcom, Google und andere ASIC-Hersteller – so steigt Broadcoms HBM-Bedarf von 9,002 Milliarden Gb 2026 auf 41,003 Milliarden Gb 2028, Google von 4,702 auf 14,003 Milliarden Gb im gleichen Zeitraum.
Auf der Angebotsseite erwartet Citibank, dass die HBM-Kapazität (TSV-Gehäusekapazität) von 420.000 Wafern/Monat 2026 auf 700.000 Wafer/Monat 2027 wächst. Dennoch bleibt die Angebotslücke groß: Das S/D-Verhältnis beträgt 2027 voraussichtlich -21 %, ähnlich wie 2026 mit -22 % und verschlechtert sich 2028 durch beschleunigte ASIC-Auslieferungen auf -36 %.
Citibank ist der Ansicht, dass Despezifizierung eine pragmatische Entscheidung der Chip-Hersteller ist, unter begrenztem HBM-Angebot die Auslieferung von Beschleunigern zu maximieren, und nicht als Nachfrageverschiebung interpretiert werden sollte.
DRAM: Angebots-Nachfrage-Schere erreicht 2027 ein historisches Defizit
Citibank erwartet, dass die globale DRAM-Nachfrage 2027 um 30,2 % steigt, während das Angebot nur um 18,8 % wächst. Das S/D-Verhältnis fällt von +0,5 % 2026 abrupt auf -8,7 % 2027 und verschlechtert sich 2028 auf -9,7 %.
Auf der Nachfrageseite wächst insbesondere die Nachfrage nach Server-DRAM durch Continual Learning. Citibank prognostiziert, dass die Server-DRAM-Nachfrage von 226,3 Milliarden Stück (1 Gb Äquivalent) 2026 auf 341,7 Milliarden Stück 2027 steigt – ein Wachstum von 51 %, Server bleiben mit etwa 67 % Anteil der Hauptabnehmer. Im Vergleich dazu bleibt die PC-Nachfrage relativ stabil, die Handy-Nachfrage erholt sich moderat.
Auf der Angebotsseite sind die Faktoren klar: Einerseits drängt die HBM-Kapazitätsauslastung weiterhin die Wafer-Kapazität für allgemeines DRAM; durchschnittliche DRAM-Wafer-Kapazität wird 2027 voraussichtlich nur um 8 % auf 2,295 Millionen Wafer/Monat steigen. Andererseits begrenzt die verlangsamte technologische Migration die Bit-Ausbeute pro Wafer; zudem sorgt der lange Zyklus von der Planung bis zur Produktion für eine verzögerte Angebotsreaktion trotz beschleunigter Investitionen.
Citibank prognostiziert für 2027 einen Anstieg des DRAM-Mischpreises um 23,1 % im Vergleich zum Vorjahr; nach dem außergewöhnlichen Preisanstieg von 242,4 % im Jahr 2026 bleibt der Aufwärtstrend bestehen, normalisiert sich aber.

NAND: Starke eSSD-Nachfrage und Angebotsbeschränkung, mit deutlich wachsender Angebotslücke
Auch im NAND-Markt kommt es zu einer realen Verengung von Angebot und Nachfrage. Citibank prognostiziert für 2027 ein Nachfragewachstum von 29,1 % bei NAND, während das Angebot nur um 21,2 % wächst; das S/D-Verhältnis sinkt von -0,8 % 2026 auf -6,1 % 2027 und bleibt 2028 bei -5,5 %.
eSSD ist das stärkste Wachstumssegment im NAND-Markt. Citibank prognostiziert für 2027 ein Nachfragewachstum von 52,9 % bei eSSD (das Wachstum bei SSD insgesamt liegt bei 45,0 %). Die Kernlogik: Erstens zwingt der Rückgang der HBM-Installationsrate pro Beschleuniger mehr KV-Cache-Workloads zur Migration in externe Speicher; zweitens treibt die zunehmende Komplexität von KI-Inferenz-Workloads die Penetration von hochkapazitiven QLC eSSD in KI-Servern voran; drittens bieten Trends wie Nvidias KV Cache Offload und der Ersatz von HDDs durch SSDs in chinesischen KI-Rechenzentren zusätzliches Nachfragepotenzial.
Auch auf der Angebotsseite gibt es Beschränkungen: Citibank erwartet, dass die durchschnittliche NAND-Wafer-Kapazität 2027 nur um 3,2 % auf 1,46 Millionen Wafer/Monat wächst, wobei Samsung Electronics sogar einen Rückgang von 4,7 % verzeichnet, Hynix und Micron bleiben weitgehend stabil. Hauptgrund ist, dass die Hersteller verstärkt Ressourcen in die DRAM/HBM-Neubauexpansion investieren und bei NAND-Investitionen vorsichtiger agieren.
Beim NAND-Preis erwartet Citibank für 2027 einen Anstieg des Mischpreises um 45,3 % im Vergleich zum Vorjahr – der Preisanstieg setzt sich fort (nach einem Anstieg von 236,2 % im Jahr 2026), auch wenn das Tempo sich etwas abschwächt.

Deutlicher Anstieg der Investitionen, jedoch bleibt die mittelfristige Angebotslücke bestehen
Citibank prognostiziert, dass die globalen Speicher-Investitionen (DRAM+NAND) 2027 um 46,5 % auf 80,4 Milliarden US-Dollar steigen werden; verglichen mit 54,9 Milliarden US-Dollar 2026 beschleunigt sich das Wachstum deutlich.
Die DRAM-Investitionen werden voraussichtlich um 51,6 % auf 58,6 Milliarden US-Dollar steigen, angeführt von Samsung Electronics (20,6 Milliarden), SK Hynix (17,5 Milliarden) und Micron (15,8 Milliarden). Citibank betont jedoch, dass ein großer Teil der DRAM-Investitionen weiterhin in die HBM-Kapazität und fortschrittliche DRAM-Prozesse fließen wird, sodass der tatsächliche Beitrag zur Entlastung des allgemeinen DRAM-Angebots begrenzt bleibt.
NAND-Investitionen werden voraussichtlich um 34,2 % auf 21,8 Milliarden US-Dollar steigen, wobei Samsung 7,9 Milliarden, Kioxia 3,7 Milliarden, SK Hynix 3,1 Milliarden, Sandisk 2,9 Milliarden und Micron 2,1 Milliarden US-Dollar investieren werden.
Citibank stellt fest, dass trotz des deutlichen Anstiegs des Investitionsvolumens die längere Vorlaufzeit für den Ausbau von Neubauexistenzen nicht ausreichend ist, um die Angebotslücke für 2027 zu schließen. Auf dieser Grundlage prognostiziert Citibank, dass das globale Speicher-Ungleichgewicht bis 2031 anhalten wird und sieht Continual Learning sowie die breite Einführung von Personal AI und Physical AI als entscheidende Treiber für diese langfristige strukturelle Angebotsknappheit.
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