Eine alternative Interpretation der negativen Non-Farm-Daten: Der Fixed Income CIO von BlackRock erklärt, dass KI die Arbeitsmarktdaten obsolet macht und Zinserhöhungen „keinen Sinn mehr ergeben“.
Der Chief Investment Officer für globale festverzinsliche Anlagen bei BlackRock, Rick Rieder, ist der Ansicht, dass ein negatives US-Arbeitsmarktwachstum im Juli kein Zeichen für eine Rezession ist, sondern vielmehr ein Beweis dafür, dass die KI-Produktivitätsrevolution den Arbeitsmarkt umgestaltet. Er erklärte offen, dass Zinserhöhungen "nicht viel Sinn ergeben" und befürwortete stattdessen fiskalpolitische Maßnahmen wie Lockerung der Regulierung zur Bekämpfung der Inflation. Er verlagert Gelder in den europäischen Anleihenmarkt und in Schwellenländer, da er US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade für "völlig unattraktiv" hält, weil der Markt mit einem enormen neuen Angebot konfrontiert ist.
US-Arbeitsmarktdaten für Juli überraschen negativ, doch während der Markt dies als Signal für eine wirtschaftliche Abschwächung interpretiert, liefert Rick Rieder, Chief Investment Officer der Global Fixed Income Abteilung von BlackRock, eine andere lesart: Die schwache Beschäftigungsentwicklung spiegele nicht einen Nachfrageeinbruch wider, sondern zeige, wie die von KI getriebene Produktivitätsrevolution die Funktionslogik des Arbeitsmarktes grundlegend verändert.
Rieder galt als heißer Kandidat für den Vorsitz der Federal Reserve zusammen mit Walsh und verfolgt in seiner Kernaussage gezielt die Schwächen traditioneller makroökonomischer Analyse – "Man kann Beschäftigungsschwäche nicht mehr einfach mit wirtschaftlicher Schwäche gleichsetzen".
Er ist der Ansicht, dass die Signalwirkung der Arbeitsmarktdaten als Wirtschaftsbarometer systematisch abgeschwächt wird – durch den Dreiklang aus KI-Technologie, extremen Effizienzbestrebungen der Unternehmen und stark zurückgehender Einwanderung.
Er stellt zudem die Effektivität des Zinshochsetzungsinstruments direkt infrage und betont: "Eine Zinserhöhung macht heute keinen großen Sinn mehr", und plädiert dafür, stattdessen regulatorische Lockerungen und fiskalische Maßnahmen gegen Inflation einzusetzen.
Auf Ebene der Asset-Allokation hat Rieder seine makroökonomischen Einschätzungen in klare Positionierung übersetzt: Er verrät, dass seine Fonds aktuell europäische Festzinsanlagen, Vermögenswerte aus Schwellenländern und verbriefte Assets bevorzugen. US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade kommentiert er offen mit "haben absolut kaum Attraktivität", da der Markt mit hohem Angebotssdruck konfrontiert wird.
KI-Produktivitätsrevolution: Wenn Personalabbau nicht mehr Rezession bedeutet
Rieder führt den Negativtrend der Juli-Arbeitsmarktdaten auf drei strukturelle Faktoren zurück: Tiefgreifende KI-Anwendungen im Arbeitsumfeld, radikale Unternehmensbemühungen um Prozess-Effizienz und einen enormen Rückgang der Einwanderung – wodurch das verfügbare Arbeitskräfteangebot schrumpft.
In seiner Analyse spiegelt der Rückgang der Beschäftigtenzahlen genau wider, dass "US-Unternehmen lernen, die Produktion ohne mehr Personal zu steigern".
Sowohl makro- als auch mikroökonomische Daten stützen diese Einschätzung.
Die Arbeitsproduktivität in den USA ist in den vergangenen 16 Quartalen nur einmal gefallen – die Effizienz ist im Vergleich zu den 2010er Jahren deutlich gestiegen. Forschungen von 22V Research zeigen, dass rund 25 S&P-500-Unternehmen eine quantitative Bewertung des Einflusses von KI auf die Firmengewinne vorgenommen haben – im Durchschnitt eine Profitsteigerung um 180 Basispunkte.
Die Steigerung der Gewinnmarge durch KI ist kein Privileg der Tech-Unternehmen.
Das US-Unternehmen Waste Management hat berichtet, dass seine "Smart Truck"-Plattform durch Service-Upgrades, Routenoptimierung und niedrigere Betriebskosten jährlich EBITA von über 300 Millionen US-Dollar generiert. Die Versicherungsberatung Willis Towers Watson erwartet durch Prozessautomatisierung Einsparungen von 400 Millionen US-Dollar.
Streit um Zinsanhebungen: Wenn das Instrument auf strukturelle Inflation trifft
Rieders Zweifel an Zinserhöhungen sind keine taktische Einschätzung, sondern gehen direkt auf das tieferliegende Dilemma aktueller geldpolitischer Debatten: "Ich glaube nicht, dass Anpassungen des Overnight-Federal-Funds-Rate das Problem wirklich lösen – wir haben solche Situationen schon früher erlebt."
Der Hintergrund: Wenn Inflation vor allem durch strukturelle Faktoren wie KI-bedingte Umgestaltung der Produktionsfunktion und geänderte Einwanderungspolitik entsteht, verliert das klassische Zinserhöhungsinstrument – dessen Wirkungsmechanismus auf der Eindämmung von Gesamtnachfrage basiert – bei solchen Schocks zunehmend an Effektivität.
Rieder plädiert dafür, regulatorische Lockerungen, eine Reform der Wohnungsbaugenehmigungen und eine Entlastung bei Studentenschulden einzusetzen, da solche fiskalischen Maßnahmen effizienter gegen Inflation helfen als eine restriktive Geldpolitik.
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