Die US-Finanzministerin erklärt, dass die “K-förmige Wirtschaft” beendet ist, aber die Daten sprechen dagegen.
Quelle: Global Market Broadcast
Der US-Finanzminister Scott Besant hat kürzlich versucht, der US-Öffentlichkeit eine gute Nachricht zu übermitteln: Die sogenannte K-förmige Wirtschaft der USA ist offiziell vorbei. Er betont, dass Konsumenten mit geringem Einkommen nicht länger weit hinter den Haushalten mit hohem Einkommen zurückbleiben.
Das Problem ist jedoch, dass die entsprechenden Daten Besants Einschätzung nicht stützen.
In einem Interview in dieser Woche erklärte Besant, er sei „das Gerede über die K-förmige Wirtschaft leid“ und ergänzte: „Ich kann hier klarstellen: Die K-förmige Wirtschaft ist beendet.“
Laut Besant befinden sich die US-Haushalte nun in einem C-förmigen Wirtschaftsumfeld: „Geringverdienende Arbeiter erleben endlich wieder Einkommenssteigerungen – das ist vergleichbar mit der Situation während der ersten Amtszeit von Präsident Trump.“
Besant gibt an, dass das reale Lohnwachstum bei den 25 % der Arbeiter mit den niedrigsten Einkommen um 2 % gestiegen sei. Diese Aussage bezieht sich höchstwahrscheinlich auf Daten des US-Finanzministeriums für das Jahr 2025, die zeigen, dass in den ersten fünf Monaten nach Trumps Amtsantritt die Löhne der Arbeiter um 1,7 % gestiegen sind.
Besant wies zudem darauf hin, dass die unter dem Rahmen des „Great and Beautiful Act“ eingeführten Maßnahmen des Weißen Hauses (z. B. Steuerfreiheit für Trinkgelder und Überstundenvergütungen sowie Steuererleichterungen für Rentner mit Sozialleistungsbezug) eine deutlich positive Wirkung auf die finanzielle Situation der Haushalte haben. Das Weiße Haus bezeichnet dieses Gesetz als das größte Steuersenkungsgesetz der Geschichte, das den Amerikanern mit einem Jahreseinkommen von 15.000 bis 80.000 US-Dollar durchschnittlich 15 % Steuerersparnis bringen soll.
Das Gesetz verspricht außerdem, dass Beschäftigte, die Trinkgelder und Überstunden erhalten, ihr jährliches Nettoeinkommen um 1.500 US-Dollar steigern können; Berichten zufolge steigt das Nach-Steuer-Einkommen einer Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern dadurch um 7.600 bis 10.900 US-Dollar.
Die Bank of America hat ebenfalls festgestellt, dass sich die Teilung der K-förmigen Wirtschaft langsam zu schließen beginnt. In einer Studie der vergangenen Woche schrieb Chefökonom der USA Aditya Bhave, dass – bereinigt um den Benzinverbrauch – der Vorjahresvergleich der Konsumausgaben nicht länger die Spaltung der K-förmigen Wirtschaft zeige, zumindest in den letzten zwei Wochen.
Bhave nannte dafür drei Gründe: Stärkere Beschäftigungszuwächse und sinkende Quellensteuerlast; niedrigere Benzinpreise im Juni; sowie der Basiseffekt, da die Einkommensunterschiede im Juni des Vorjahres besonders stark angestiegen waren, was jetzt zu einer Annäherung beiträgt.
Besant ergänzte: „Angesichts der überwältigenden Medienberichterstattung ist die positive Entwicklung der Wirtschaft schwer zu erkennen.“
Breiter gefasste Daten unterstützen diese These noch nicht
Trotzdem können die aktuellen Daten Besants Aussagen noch nicht vollumfänglich bestätigen. So erklärten sowohl Goldman Sachs als auch Morgan Stanley, dass die durch die Iran-Krise ausgelösten Kettenreaktionen auf die Benzinpreise die durch den „Great and Beautiful Act“ versprochenen zusätzlichen Vorteile fast vollständig aufheben würden.
Auch die nach Einkommensgruppen differenzierten Lohndaten bestätigen nicht, dass die K-förmige Spaltung bereits überwunden sei. Die Federal Reserve Bank von Atlanta berechnet den gleitenden 12-Monats-Durchschnitt des Lohnwachstums pro Stunde für verschiedene Einkommen-Quartile. Die im Juni aktualisierten Zahlen zeigen, dass das Lohnwachstum im niedrigsten Viertel bei 3,6 % und im obersten Viertel bei 3,9 % lag.
Den Daten der Federal Reserve Bank von Atlanta zufolge hat das mittlere Lohnwachstum der unteren Einkommensgruppen im gesamten Jahr 2026 nie das der wohlhabenderen Haushalte übertroffen. Im Gesamtjahr 2026 war das Lohnwachstum im dritten Einkommensquartil am größten.
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