Steht die Korrektur im Technologiesektor kurz vor dem Ende? Wie sollte die nächste Phase gestaltet werden?
Guotai Junan Securities ist der Ansicht, dass angesichts der nachlassenden Störfaktoren wie dem Deleveraging in Südkorea, den restriktiven Erwartungen der Federal Reserve sowie geopolitischen Risiken im Nahen Osten die globale Korrektur von KI-Anlagen seit Juni ihrem Ende zugeht. Die Anlagelogik im KI-Bereich wird sich zudem von einer „Capex-getriebenen“ hin zu einer „gewinnrealisierungsgetriebenen“ Entwicklung verlagern. Zukünftig sollte der Investitionsschwerpunkt auf Unternehmen liegen, die eine kontinuierliche Steigerung der Investitionsrendite aufweisen und in der Lage sind, den Einsatz von Rechenleistung in Umsätze, Gewinne und Cashflow umzuwandeln, anstatt einfach nur ihre Kapitalaufwendungen auszuweiten.
Die seit Juni weltweit stattfindende Korrektur der KI-Assets nähert sich allmählich ihrem Ende, doch die Markterholung bedeutet nicht, dass KI-Trading wieder in die Phase zurückkehrt, in der ausschließlich auf Investitionsausgaben (CapEx) geachtet wird.
Der Makroanalyst Song Xuetao von Guojin Securities veröffentlichte am 4. August einen Bericht, der feststellt, die vier Hauptfaktoren, die zuvor die Bewertung globaler Technologiewerte belasteten – Deleveraging am koreanischen Markt, hawkishe Erwartungen an die Federal Reserve, Sorgen der CSPs bezüglich CapEx-Rendite und geopolitische Risiken im Nahen Osten – haben sich jeweils am Rand verbessert. Da die neuesten Ergebnisse von Microsoft, Amazon u.a. die starke KI-Nachfrage weiterhin bestätigen, konzentriert sich der Markt zunehmend darauf, ob Investitionsausgaben tatsächlich in Umsatz und Gewinn umgewandelt werden können, anstatt nur blind die Höhe der Investitionen zu verfolgen.
Der Bericht sieht, dass nach Abschluss dieser Korrektur die Investmentlogik im KI-Bereich von Liquidität und Risikoaffinität gesteuert allmählich auf eine Gewinnverwirklichung umschaltet. Die zukünftigen Überrenditen in der Wertschöpfungskette werden vermutlich eher von Unternehmen kommen, die ihre Rendite auf Investitionen nachhaltig steigern und Rechenleistung effektiv in Cashflow umwandeln können, statt lediglich ihre Investitionsausgaben auszuweiten.
Der Deleveraging-Druck am koreanischen Markt lässt deutlich nach
Der koreanische Markt zählt zu den volatilsten Märkten während der globalen KI-Asset-Korrektur. Seit dem Höchststand vom 19. Juni hat der KOSPI zeitweise bis zu 40% Rückgang erlebt, wobei konzentrierte Liquidierungen von gehebeltem Kapital den Rückgang der weltweiten Technologiewerte verstärkten.
Allerdings stellt der Bericht fest, dass die dramatischste Phase des Deleveraging mittlerweile vorbei ist.
Am 29. Juli erhielt der KOSPI nach Annäherung an den 250-Tage-Gleitenden Durchschnitt Unterstützung. Gleichzeitig schrumpfte das Volumen der Hebel-ETFs auf Einzelwerte wie Samsung Electronics und SK Hynix deutlich: Bis zum 30. Juli haben die beiden Produkte „7709“ und „KODEX“ ein Vermögensvolumen (AUM) um 83% bzw. 70% vom Höchststand verringert, was nahezu das Niveau von April bis Mai dieses Jahres erreicht.
Auch die Verschuldung von Privatanlegern ist weiterhin rückläufig. Laut KOFIA betrug das Finanzierungssaldo der koreanischen Privatanleger (Kredithandel-Finanzierung + Wertpapier-gesicherte Kredite) zum 30. Juli 57,97 Billionen Won, etwa 10,8% weniger als am Höchststand vom 24. Juni und nahe dem Niveau Anfang April.
Zusätzlich kaufte SK-Gruppenchef Chey Tae-won am 30. Juli erstmals als Privatperson SK Hynix-Aktien – öffentlich 3.620 Stück im Wert von etwa 4,79 Milliarden Won – was vom Markt als positives Signal für die langfristigen Aussichten der Halbleiterbranche bewertet wird.

Hawkishe Unruhe der Federal Reserve nimmt ab, Zinserwartungen sinken weiter
Der Bericht sieht, dass die Marktsorgen, ein Anstieg der Ölpreise und angebotsseitige Inflation durch KI könnten die Federal Reserve zu mehr Hawkismus bewegen, derzeit nachlassen.
Obwohl Fed-Chef in jüngster Zeit das 2%-Inflationsziel bekräftigte, wurde die hawkishe Guidance nicht weiter verschärft, die Gesamtinterpretation am Markt tendiert in Richtung „scheinbar hawkish, tatsächlich dovish“. Die Entwicklung zeigt sich auch an den sinkenden Renditen der 2-jährigen US-Staatsanleihen, was eine Beruhigung der Investoren hinsichtlich weiterer geldpolitischer Straffung widerspiegelt.
Zudem bestätigen die jüngsten US-Konjunkturdaten diese Einschätzung: Das annualisierte BIP-Wachstum im zweiten Quartal liegt bei 1,5% und damit unter der Markterwartung von 2,1%; der PCE-Preisindex stieg im Juni um 3,7% gegenüber dem Vorjahr, fiel aber im Vergleich zum Vormonat um 0,1% – erstmals seit sechs Jahren negativ; der Kern-PCE stieg im Jahresvergleich um 3,3% und lediglich um 0,1% im Monatsvergleich, was ebenfalls unter den Erwartungen liegt.
Guojin Securities meint, dass die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen der Fed im laufenden Jahr weiter sinkt, aufgrund: der anhaltend hohen Langfristzinsen mit Bremswirkung; der höheren Zinssensitivität technologischer Unternehmen durch sinkende Cashflow-Puffer; und dem potenziellen Deflationseffekt der KI-bedingten Effizienzsteigerung, der zukünftige Lockerungsphantasien begünstigt.

Risikoaufschläge im Nahen Osten beginnen zu sinken
Neben Liquiditätsfaktoren war die Lage im Nahen Osten ein wichtiger Belastungsfaktor für globale Risikoassets im Juli.
Früher befürchteten die Märkte, dass eine Eskalation des US-Iran-Konflikts auch die Straße von Hormuz und wichtige Energieversorgungswege trifft, Ölpreise steigen lässt und durch die Kette „höhere Ölpreise – steigende Inflation – hohe Zinsen“ das Bewertungsniveau von Technologiewerten drückt.
Im August zeigen sich nun Entspannungstendenzen: Der Bericht verweist darauf, dass Trump am 2. August die Bereitschaft signalisierte, weitere militärische Maßnahmen zu unterlassen und Verhandlungen zu fördern – der Markt nimmt wieder Trumps typische „TACO (Trump Always Chickens Out)“-Strategie an. Laut Xinhua erklärte US-Präsident Trump am 4. August dem Fox News Channel, dass die Straße von Hormuz „sehr bald“ geöffnet werde, andernfalls Iran „erbitterten Schlag“ drohe.
Guojin Securities sieht, dass Investoren nach mehreren ähnlichen Vorfällen allmählich Trumps „erst Druck, dann Entspannung“-Verhandlungsmodus gewohnt sind. Der Einfluss geopolitischer Ereignisse auf die Risikobereitschaft des Marktes sinkt, Risikoaufschläge bauen sich nun deutlich schneller als bei früheren Konflikten ab.
Markt beginnt, Qualität von KI-CapEx neu zu bewerten
Der Bericht sieht den Hauptkonflikt der letzten Korrektur im KI-Sektor nicht in nachlassender KI-Nachfrage, sondern darin, dass der Markt die Investitionsrenditen (ROI) der CapEx neu einschätzt.
Die neuesten Geschäftsberichte von Google, Microsoft und Amazon zeigen weiterhin starke KI-Nachfrage und Wachstum im Cloud-Geschäft, jedoch unterscheidet sich die Marktreaktion bezüglich der drei Unternehmen deutlich. Google erhöhte seine CapEx-Prognose für das Geschäftsjahr 2026 auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar, stand aber unter Druck, weil die Vorteile des Modells und ein eigenentwickeltes System zur höheren Investitionsrendite nicht ausreichend demonstriert wurden.
Im Gegensatz dazu setzt Amazon zwar ebenfalls die Erweiterung der CapEx und den Druck auf den freien Cashflow fort, kann aber die durch KI-Infrastruktur und Cloud-Geschäft erzielten Renditen klarer darstellen, weshalb die Marktreaktion positiver ausfiel. Microsoft behielt einen relativ zurückhaltenden CapEx-Rhythmus bei und setzte das Wachstum im Cloud-Geschäft fort – was bei Anlegern ankam.
Der Bericht sieht darin, dass sich der Fokus des Marktes von „je mehr Investitionsausgaben, desto besser“ hin zu „können Investitionsausgaben das Gewinnwachstum bringen“ verlagert. Gleichzeitig hat der Philadelphia Semiconductor Index bei Cloud-Anbieter-Ergebnissen von früher „gute Ergebnisse steigen nicht“ zu „schlechte Ergebnisse fallen nicht“ gewechselt – was üblicherweise bedeutet, dass die Marktstimmung einem Bodenbereich nahe ist.

KI-Investitionen treten in die zweite Phase: Gewinnverwirklichung wird zum Hauptstrang
Guojin Securities sieht, dass nach Abschluss dieser Anpassungsphase KI-Investments offiziell in die Gewinnvalidierungsphase eintreten. Ob große Cloud-Anbieter weiterhin hohe Investitionsausgaben vornehmen, hängt künftig von Umsatzwachstum der Modellentwickler, Durchdringung bei Unternehmenskunden, der Umgestaltung von Prozessen durch KI-Agenten und davon ab, ob die KI-Geschäfte wachsende Infrastrukturabschreibungen und Betriebskosten decken können.
Der Bericht unterteilt zukünftige KI-Investmentchancen in drei Ebenen:
Erstens das große Beta, resultierend aus kontinuierlichen Modellfortschritten. Steigen die KI-Fähigkeiten weiter und führen zu über den Erwartungen liegender Umsatzsteigerung, kann sich die Investitionsrendite der gesamten Branche weiter verbessern.
Zweitens das kleine Beta, aus Neuzuordnung der Gewinne in der Wertschöpfungskette. Mit veränderter Verhandlungsmacht können die Gewinnverhältnisse zwischen US und Korea sowie zwischen Upstream- und Downstream-Unternehmen weiter verschoben werden.
Drittens Alpha: Strukturierte Chancen innerhalb der Wertschöpfungskette, darunter Kostenreduktion, Effizienzsteigerung, Verbesserung der Wettbewerbsstruktur, sowie überdurchschnittliche Renditen durch zunehmende Reife bestimmter Nischengeschäftsmodelle.
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
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