Nach einem Wertverlust von 40 % muss SoftBank der Welt mit einem Finanzbericht beweisen: Die KI-Wette beschränkt sich nicht nur auf OpenAI.
Da die SoftBank Group am Donnerstag die Ergebnisse für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 (April bis Juni) bekannt geben wird, rückt der japanische Technologiegigant durch eine umfassende Prüfung seiner Wetten auf KI, seiner Schuldenhebel sowie des Werts neuer Geschäftsfelder ins Rampenlicht.
Wie das Finanzportal Intelligent Finance berichtet, steht die SoftBank Group mit der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 (April bis Juni) am Donnerstag im Mittelpunkt einer umfassenden Überprüfung rund um große Wetten auf KI, Verschuldung und den Wert neuer Geschäftsfelder. Investoren verfolgen nicht nur aufmerksam, wie die Gruppe ihre milliardenschweren Verpflichtungen gegenüber OpenAI weiterhin unterstützen kann, sondern hoffen zudem, über ChatGPT hinaus den tatsächlichen Wert von SoftBank im Bereich Roboter, Energie und Chips zu erkennen.
Als Stimmungsbarometer für KI-Investitionen in Japan hat der SoftBank-Aktienkurs nach Erreichen eines Allzeithochs am 2. Juni kontinuierlich nachgegeben; bis zum Handelsschluss am Dienstag gab der Kurs etwa 40 Prozent nach. Trotz eines Anstiegs von etwa 19 Prozent seit Jahresbeginn fiel SoftBank von Platz eins auf Platz drei der Marktkapitalisierung japanischer Unternehmen zurück. Am Dienstag schloss die Aktie in Tokio bei 5.228 Yen, was fast 40 Prozent unter dem durchschnittlichen 12-Monats-Kursziel von Analysten (8.603 Yen) liegt und das große Maß an Unsicherheit widerspiegelt, das am Markt eingepreist wird.

Parallel dazu haben sich die fünfjährigen Credit Default Swaps von SoftBank seit Anfang 2026 um etwa 70 Basispunkte auf rund 350 Basispunkte ausgeweitet und bewegen sich damit auf dem höchsten Niveau unter japanischen Unternehmen – ein Zeichen, dass die Nervosität unter Bond-Investoren steigt.

„Die aktuelle Marktlage reagiert empfindlich auf jedes Anzeichen einer Wachstumsverlangsamung, aber wenn der Finanzbericht Robustheit zeigt, kann dies den Markt ebenso schnell beruhigen und beweisen, dass der radikale KI-Wandel wohlüberlegt ist“, beurteilt Nikos Tzabouras, Senior Financial Strategist bei der Handelsplattform Tradu, die Bedeutung des bevorstehenden Berichts.
Jenseits von OpenAI: Neubewertung der Werte von Robotik, Energie und Arm
Der Schlüssel zur Wiederherstellung des Vertrauens liegt laut Marktbeobachtern darin, ob SoftBank eine klarere Roadmap für ihre Aktivitäten außerhalb der Kern-KI-Assets vorlegen kann – insbesondere in Bezug auf das Tochterunternehmen SB Energy im Bereich erneuerbare Energien sowie die geplante Gründung der neuen Einheit Roze und deren Börsengang in den USA. Beide Plattformen stehen symbolisch für die essenzielle Stromversorgung und Robotikdimension im KI-Infrastruktur-Boom. Ein erfolgreicher Börsengang würde der Investmentpalette von SoftBank einen Marktwert-Anker liefern.
David Dai, Managing Director von Sanford C Bernstein, Hongkong, betonte, dass Investoren den fundamentalen Wert von SoftBanks Energie- und Robotik-Vermögenswerten mit bisher nie dagewesener Genauigkeit bewerten. „Ein Preisetikett für diese Assets wäre ein sehr positives Signal.“ Er fügt hinzu, dass jede Neuigkeit zu diesen beiden Geschäftsbereichen als gutes Zeichen verstanden werden kann.
Auch die Übernahme der Roboter-Abteilung des Schweizer ABB-Konzerns durch SoftBank ist ein Fokus des Markts. Der Deal wurde im Oktober letzten Jahres angekündigt und soll voraussichtlich Mitte bis Ende 2026 abgeschlossen werden. BTIG-Analyst Jesse Sobelson sieht darin für SoftBank eine Plattform mit „skalierbaren Einnahmen, klarer Kundengruppe und der Möglichkeit, KI nahtlos in die industrielle Automatisierung zu integrieren“.
Darüber hinaus hält SoftBank aktuell etwa 90 Prozent der Aktien an dem Chipdesign-Unternehmen Arm (ARM.US). Zwar hat der Aktienkurs von Arm rund 33 Prozent vom vorherigen Hoch verloren, jedoch verzeichnete die Aktie in den letzten sechs Monaten einen beeindruckenden Zuwachs von über 200 Prozent. Die erwarteten Einnahmen durch die Entwicklung eigener CPUs (voraussichtlich ab etwa 2029) könnten die Bewertung von SoftBank langfristig stützen. David Dai stellt fest: „Das Thema OpenAI hat nur begrenzten Einfluss auf SoftBank, weil Arm einen deutlich größeren Anteil am Gesamtwert ausmacht.“

Berg der Schulden: 40-Milliarden-Brückenfinanzierung und die Debatte um den Leverage
Dem Potenzial der genannten Wachstumsbereiche steht eine umfangreiche Schuldenstruktur gegenüber, die SoftBank zur Erfüllung ihrer KI-Verpflichtungen aufgebaut hat – der wohl kritischste Punkt beim Finanzbericht. Zur Unterstützung der Investitionen in OpenAI und die zugehörige Infrastruktur von über 60 Milliarden US-Dollar erhielt SoftBank im März dieses Jahres eine Brückenfinanzierung über 40 Milliarden US-Dollar, die im März 2027 fällig wird. Außerdem arrangierte das Unternehmen eine Margin Loan über 20 Milliarden US-Dollar, besichert durch Arm-Aktien.
Medienberichten zufolge hat SoftBank allerdings Schwierigkeiten, zusätzliche Kredite durch Verpfändung von OpenAI-Anteilen zu erhalten, da Kreditgeber zunehmend zurückhaltend sind, wenn es um Sicherheiten von nicht börsennotierten Unternehmen geht.
Makiko Yoshimura, Analystin von S&P Global Ratings, erklärte: „Wir sehen Arm als stark im Kreditprofil, aber OpenAI ist sehr verletzlich. OpenAI ist ein Start-up-Unternehmen mit erheblichen Risiken hinsichtlich der KI-Innovation und einem extrem wettbewerbsintensiven Umfeld.“
Dank des Kursanstiegs von Arm stuften die Rating-Experten von S&P den SoftBank-Ausblick im Juli von „negativ“ auf „stabil“ herauf. Damit bleibt jedoch die große Diskrepanz bei der Berechnung des Verschuldungsgrads bestehen: SoftBank selbst betont, dass der Loan-to-Value (LTV) am 31. März auf 17 Prozent verbessert wurde und damit unter der selbst auferlegten 25-Prozent-Grenze liegt. S&P rechnet mit Einbeziehung der Margin Loans für den gleichen Zeitraum eine LTV-Schätzung von 33 Prozent und prognostiziert bis Juni einen Rückgang auf 20 bis 25 Prozent.
Amir Anvarzadeh, Stratege von Asymmetric Advisors, warnt: „Sollte der Wert von Arm sinken, bleibt die Kreditsumme bestehen, die durch die Aktien besichert ist. Ein massiver Preisrückgang der Vermögenswerte könnte zu einer Liquiditätskrise führen.“ Fitch Ratings betrachtet die Marktkorrekturen im KI-Sektor inzwischen als erhebliches Kreditrisiko, unter anderem aufgrund hoher Bewertungen, enormen Investitionskosten und der hohen Unsicherheit der Rendite von KI-Unternehmen.
David Gibson, Analyst von MST Financial, weist in seinem Bericht darauf hin, dass erst dann, wenn Endnutzer und Unternehmen den Anfang einer Produktivitätsrevolution tatsächlich nachweisen können, SoftBank, Arm und weitere betroffene Aktien von dem Druck befreit würden.
Ein wichtiger Unsicherheitsfaktor bei der Verschuldung ist OpenAI selbst. Zeitpunkt und Höhe eines Börsengangs sind unsicher, da das Unternehmen an den Kapitalmärkten mit Gegenwind und substanzieller Konkurrenz zu kämpfen hat. Es heißt, OpenAI strebe eine IPO-Bewertung von bis zu einer Billion US-Dollar an – nach 852 Milliarden US-Dollar zuvor –, doch die New York Times berichtet, dass sich der Börsengang möglicherweise bis nächstes Jahr verschiebt.
Gleichzeitig bieten chinesische Anbieter KI-Modelle mit vergleichbarer Leistung zu deutlich geringeren Kosten an, was einen Preiskampf auslösen und die Gewinnspanne von OpenAI und anderen Marktführern verringern könnte – sowie die Nachfrage nach Chips zur Bereitstellung von Rechenleistung beeinträchtigt.
Anvarzadeh erklärt: „Vergleicht man die konservative Bewertung chinesischer KI-Unternehmen beim IPO, dürfte OpenAI nicht viel mehr als 300 Milliarden US-Dollar wert sein.“
Das aktuelle Misstrauen gegenüber SoftBanks Finanzierungsmöglichkeiten sieht David Dai als „mittelfristige Herausforderung“ und nicht als langfristiges Grundproblem. „Niemand kann stichhaltig beweisen, dass KI die eigenen Versprechen nicht hält“, sagt er. Kann das SoftBank-Management die Investoren mit dem Finanzbericht überzeugen, über das Risiko von OpenAI hinaus auf die tiefgreifende Wertschöpfung der „Full Stack“-KI-Infrastruktur zu blicken, dann ist die Rückkehr an die Spitze der japanischen Unternehmensbewertungen wohl nur eine Frage der Zeit.
Den von LSEG zusammengetragenen Prognosen von vier Analysten zufolge wird SoftBank im Quartal April bis Juni einen Nettogewinn von 148,4 Milliarden Yen (etwa 940 Millionen US-Dollar) erzielen. Analystenblätter zeigen, dass für die SoftBank-Aktie eine insgesamt positive Einschätzung besteht – die Zusammenstellungen verzeichnen 16 „Kauf“-Empfehlungen, 6 „Halten“ und nur eine „Verkaufen“-Bewertung.
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