Singapur in kambodschanischen "Pig-Butchering"-Betrugsfall verwickelt, "Steueroase" erneut in der Kritik
Die Anklage hat erneut die Aufmerksamkeit auf die Rolle Singapurs bei kriminellen Aktivitäten in der südostasiatischen Region gelenkt.
Die aktuellen Anschuldigungen haben erneut die Aufmerksamkeit auf die Rolle Singapurs bei kriminellen Aktivitäten in Südostasien gelenkt.
Verfasst von: Low De Wei, David Ramli, Bloomberg
Übersetzung: Saoirse, Foresight News
Kernpunkte
- Der Anführer der kambodschanischen Verbrecherorganisation, Chen Zhi, und seine Partner haben in Singapur ein Family Office gegründet, das angeblich steuerliche Vergünstigungen genießt.
- Chen Zhi und seine Partner wurden von US-Behörden sanktioniert, da sie verdächtigt werden, mit Kryptowährungen Milliardenbeträge aus Online-Investmentbetrug gewaschen zu haben.
- Der Fall hat dazu geführt, dass singapurische Behörden und Unternehmen die finanziellen Verbindungen der Gruppe zu diesem Geschäftsknotenpunkt überprüfen, einschließlich der Beziehungen zu Unternehmen, die von Temasek Holdings unterstützt werden.
Der Anführer einer kambodschanischen Verbrecherorganisation und seine Partner haben in Singapur ein angeblich steuerbegünstigtes Family Office gegründet, Kooperationen mit von Temasek Holdings unterstützten Unternehmen aufgebaut und Millionen von Dollar in Immobilien in Singapur investiert.
Chen Zhi, Vorsitzender der Prince Holding Group in Kambodscha, wurde von US-Staatsanwälten als Anführer einer der größten transnationalen Verbrecherorganisationen Asiens identifiziert. Am 14. Oktober wurden Chen Zhi und mehrere seiner Partner (darunter drei singapurische Staatsbürger) von US-Behörden sanktioniert, weil sie verdächtigt werden, mit Kryptowährungen Milliardenbeträge aus Online-Investmentbetrug gewaschen zu haben.

(Laut US-Behörden wurden in von Chen Zhi kontrollierten Einrichtungen 1.250 Mobiltelefone genutzt, um 76.000 Konten auf einer Social-Media-Plattform zu steuern. Quelle: Gerichtsunterlagen des US-Bundesstaatsanwalts)
Berichten zufolge setzt die Verbrecherorganisation in Kambodscha Zwangsarbeit ein und manipuliert weltweit Tausende Opfer emotional – sie werden dazu verleitet, immer mehr Geld zu investieren, bevor ihnen alles entzogen wird. Diese Betrugsmasche ist als „Pig Butchering“ bekannt. Der Fall hat dazu geführt, dass singapurische Behörden und Unternehmen die finanziellen Verbindungen der Gruppe zu diesem Wirtschaftszentrum überprüfen.
Chen Zhi und seine enge Partnerin Chen Xiuling waren an der Gründung eines Single Family Office beteiligt – einer privaten Institution, die umfassende Vermögensverwaltung, Asset Allocation, Steuerplanung, Rechtskonformität und Lebensdienstleistungen für eine einzige vermögende Familie anbietet. Das „DW Capital Holdings Pte“ wurde 2018 gegründet und soll laut Angaben von der Monetary Authority of Singapore (MAS) einen 13-fachen Steuervorteil erhalten haben. Laut der Website des Family Office ist Chen Zhi Gründer und Vorsitzender; ein anderes Börsendokument zeigt, dass Chen Xiuling seit 2021 als Chief Financial Officer fungiert.
Ein Sprecher der Monetary Authority of Singapore erklärte: „Wir untersuchen, ob in diesem Fall gegen Vorschriften der MAS verstoßen wurde.“ Bislang hat DW Capital Holdings keine Stellungnahme abgegeben.
Die aktuellen Anschuldigungen haben erneut die Aufmerksamkeit auf die Rolle Singapurs bei kriminellen Aktivitäten in Südostasien gelenkt. Auch mehrere Verurteilte im größten Geldwäschefall Singapurs hatten zuvor durch Family Offices Steuerbefreiungen erhalten.
Die US-Regierung hat diese Woche eine Reihe von Sanktionen gegen Institutionen in Kambodscha verhängt, darunter auch gegen die Prince Group. Das Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) des US-Finanzministeriums veröffentlichte zudem eine „Final Rule“, mit der die Huione Group aus dem US-Finanzsystem ausgeschlossen wurde. Dabei wurde auf einen Bericht von Bloomberg verwiesen, der die Herausforderungen bei der Bekämpfung solcher intransparenten illegalen Märkte hervorhebt.
Es ist derzeit unklar, ob die Polizei in Singapur Ermittlungen zu den US-Vorwürfen gegen die Prince Group aufnehmen wird. Die Polizei von Singapur hat bislang keine Stellungnahme abgegeben.
Chen Xiuling war zuvor unabhängiges Vorstandsmitglied der von Temasek unterstützten Livestreaming-Plattform 17LIVE Group und trat am 16. Oktober zurück.
Im Dezember 2023 ging 17LIVE durch eine Fusion mit Vertex Technology Acquisition Corp. (einem von Temasek und seiner Tochter Vertex Ventures unterstützten Special Purpose Acquisition Company) an die Börse in Singapur. Zu diesem Zeitpunkt wurde Chen Xiuling als unabhängiges Vorstandsmitglied berufen. Laut dem aktuellen Jahresbericht von 17LIVE lag der geschätzte Anteil von Temasek an dem Unternehmen bis März dieses Jahres weiterhin bei fast 26%.
Vor dem Rücktritt von Chen Xiuling erklärte Joji Koda, Chief Investment Officer von 17LIVE, per E-Mail, dass Chen Xiuling auf Empfehlung während des „Reverse Listing“-Prozesses berufen wurde und das Unternehmen eine „reguläre“ Due Diligence durchgeführt habe. Erst durch die Kontaktaufnahme von Bloomberg wurde das Unternehmen auf die Vorwürfe aufmerksam.
Joji Koda sagte: „17LIVE hatte nie Geschäftsbeziehungen mit DW Capital, Chen Zhi oder Chen Xiuling“ und fügte hinzu, dass weder Temasek noch Vertex Ventures an der Nominierung oder Ernennung von Chen Xiuling beteiligt waren. „17LIVE weiß nicht, ob eine der drei Parteien jemals in Wertpapiere unseres Unternehmens investiert hat.“
Ein Sprecher von Temasek lehnte eine Stellungnahme ab.
Immobilieninvestitionen
Die Prince Group plante einst, das 16 Milliarden US-Dollar teure „REAM CITY“-Projekt in Sihanoukville, Kambodscha, zu entwickeln und ging dabei auch Kooperationen mit anderen Unternehmen in Singapur ein. Die Tochtergesellschaft Canopy Sands Development Co. beauftragte die Temasek-Tochter Surbana Jurong Group (SJ Group) mit der Masterplanung, Stadtgestaltung und Küsteningenieurleistungen für das Projekt. Die US-Behörden haben Canopy Sands Development Co. als eines der mit Chen Zhi verbundenen Unternehmen aufgeführt.
Ein Sprecher der Surbana Jurong Group (besser bekannt als Surbana Jurong) erklärte, dass das Masterplanungsprojekt bereits 2022 abgeschlossen wurde, dass das Unternehmen währenddessen keine Eigentumsrechte an dem Projekt hielt oder am Betrieb beteiligt war und dass es über umfassende Compliance-Prozesse verfügt. Der Sprecher fügte hinzu: „Derzeit bestehen keine laufenden Projekte mit der Prince Holding Group oder deren verbundenen Unternehmen.“
Die von Temasek unterstützte singapurische Immobiliengesellschaft CapitaLand Investment Ltd. betreibt über ihre Tochtergesellschaft The Ascott Ltd. seit 2024 das Hotelmanagement für zwei Hotels in Kambodscha im Auftrag von Canopy Sands Development Co.
Ein Sprecher von The Ascott erklärte, dass das Unternehmen keine Eigentumsanteile an den genannten Hotels hält und betonte, dass Geschäftspartner sorgfältig geprüft werden. Derzeit „bewertet The Ascott die Situation auf Grundlage der aktuellen Entwicklungen und wird gemäß den geltenden Sanktionsvorschriften und Gesetzen reagieren“.
Darüber hinaus zeigen von Bloomberg eingesehene Transaktionsunterlagen, dass Chen Zhi für 17 Millionen Singapur-Dollar (etwa 13 Millionen US-Dollar) ein Penthouse in der Luxuswohnanlage Gramercy Park nahe der Orchard Road in Singapur erworben hat; sein Partner, der kambodschanische Staatsbürger Li Thet, kaufte für 18,2 Millionen Singapur-Dollar eine Wohnung in der nahegelegenen Wohnanlage Boulevard Vue.
Bereits im Jahr 2024 veröffentlichte die Prince Group auf ihrer Website eine Erklärung, in der sie die in mehreren Medienberichten erhobenen Vorwürfe der Geldwäsche und kriminellen Aktivitäten zurückwies. Bis zum 16. Oktober war diese Gegendarstellung jedoch nicht mehr abrufbar. Die Prince Group hat bislang keine Stellungnahme abgegeben.
Patricia Hurtado und Kai Schultz haben zu diesem Artikel ebenfalls beigetragen.
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